Stuttgart, 12. bis 14. Juni 2026. An einem sonnigen Samstagmorgen trafen sich die weltwärts Süd-Nord-Freiwilligen von Friends of Ruanda zu einem gemeinsamen Seminarwochenende. Die Teilnehmenden absolvieren derzeit ihren weltwärts Freiwilligendienst in deutschen Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Daher stand der erste Seminartag ganz im Zeichen von Gesundheit und Gesundheitsversorgung.
Gemeinsam tauschten wir uns über die Gesundheitssysteme in Deutschland und Ruanda aus. Dabei ging es nicht nur um Strukturen und Organisation, sondern auch um die Menschen und gesellschaftlichen Bedingungen, die Gesundheit prägen. Welche Rolle spielt Familie im Krankheitsfall? Wie wird mit älteren Menschen umgegangen? Welche Herausforderungen gibt es für Patientinnen und Patienten sowie für Fachkräfte?
Schnell wurde deutlich, dass beide Länder vor ganz unterschiedlichen, aber auch vergleichbaren Herausforderungen stehen. Während in Deutschland die schnelle Versorgung durch Rettungsdienste und ein hoher medizinischer Standard geschätzt werden, wurden Themen wie Alterseinsamkeit und Personalmangel kritisch diskutiert. Für Ruanda nannten die Teilnehmenden unter anderem die großen Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen staatlichen und privaten Einrichtungen als Herausforderung. Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark familiäre Netzwerke dort oftmals Verantwortung für Betreuung und Fürsorge übernehmen.
Besonders bereichernd war der persönliche Austausch über Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag. Da die Referentinnen selbst im Gesundheitswesen tätig sind und zum Teil bereits als Freiwillige in Ruanda Erfahrungen gesammelt haben, konnten fachliche Informationen und persönliche Perspektiven miteinander verbunden werden. Neben dem Menschenbild und kulturellen Vorstellungen von Gesundheit beschäftigten wir uns auch mit dem Aufbau des deutschen Gesundheitssystems – von Krankenkassen über ambulante und stationäre Versorgung bis hin zur Rehabilitation.
Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg ins Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Dort beschäftigten wir uns mit dem Thema Freiheit. In einem Workshop gingen wir der Frage nach, was Freiheit für jede und jeden Einzelnen bedeutet und wie weit Menschen bereit sind, für sie einzustehen. Dabei lernten wir mehr über die Geschichte unserer Städte, über Freiheitsbewegungen und Freiheitskämpferinnen und -kämpfer in Baden-Württemberg sowie über die Bedeutung von Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit. Die historischen Perspektiven regten zu spannenden Diskussionen über die Bedeutung von Freiheit in unserer heutigen Gesellschaft an.
Nach dem Abendessen ließen wir den Tag entspannt ausklingen. Es wurde gelacht, erzählt und die Gelegenheit genutzt, sich besser kennenzulernen.
Am Sonntag stand schließlich der persönliche und interkulturelle Austausch im Mittelpunkt. In einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre sprachen wir über Beziehungen, Freundschaft, Liebe und Sexualität. Wie sprechen Menschen in unterschiedlichen Kulturen über Nähe und Verbundenheit? Mit wem tauscht man sich über persönliche Gefühle aus? Welche Werte ähneln sich und welche unterscheiden sich? Und wie gestaltet sich queeres Leben in Deutschland im Vergleich zu Ruanda?
Diese Themen sind für junge Menschen von großer Bedeutung – insbesondere dann, wenn sie sich in einer neuen Gesellschaft und einem neuen kulturellen Umfeld zurechtfinden. Der Austausch zeigte, dass Gesundheit, Freiheit, Liebe, Freundschaft und Gefühle zwar in jeder Kultur unterschiedlich gelebt und verstanden werden, die grundlegenden menschlichen Erfahrungen jedoch oft näher beieinanderliegen, als man zunächst denkt.
So endete ein Wochenende voller Begegnungen, neuer Perspektiven und spannender Gespräche. Denn was gibt es Schöneres, als gemeinsam in der Sonne zu sitzen, voneinander zu lernen und über die wichtigen Dinge des Lebens ins Gespräch zu kommen?
