Reintegration von Straßenkindern

Projektentwicklung:
Unsere Mitarbeiterin Olive sucht in der Stadt, Orte und Plätze auf, an denen Kinder und Jugendliche sich aufhalten, um kleinen Geschäften wie Straßenverkäufen, Warentransporten, Schuhe putzen oder Ähnliches, nachzugehen. Weitere Gruppen von Jugendlichen sichern sich ihr tägliches Überleben durch Betteln, Stehlen oder die Mädchen durch Prostitution. Durch regelmäßiges Streetwork gewinnt Olive das Vertrauen zu den Straßenkindern- und -jugendlichen und motiviert sie dazu ins Straßenkinderzentrum, welches in Kooperation mit der Kommune geführt wird, zu kommen. Im Kinderzentrum erhalten die Kinder zwei warme Mahlzeiten und eine Schlafgelegenheit. Darüberhinaus wird versucht die Kinder, von denen manche noch nie eine Schule besucht haben, an Schulen anzubinden. Über unsere Weltwärts-Freiwilligen erhalten die Kinder und Jugendlichen zusätzliche Förder- und Freizeitangebote wie Englisch- und Mathematikunterricht, wie auch Sportangebote u.a. Fußball, Volleyball und Schwimmunterricht im Kivusee. Die älteren Jugendlichen haben zudem Gelegenheit die Herstellung von Kunsthandwerk aus Bananenblättern, durch einen engagierten Lehrmeister zu erlernen. In diesem Straßenkinderzentrum verbleiben die Kinder und Jugendlichen ca. 3 - 4 Monate, bis sie sich an eine Tagesstruktur, bestehend aus Schulbesuch, regelmäßigen Mahlzeiten und Freizeitangeboten, gewöhnt haben. Während diesem Zeitraum recherchiert unsere Streetwork-Mitarbeiterin Olive, ob es Verwandte, Bekannte oder auch Pflegefamilien gibt, die bereit wären, ein Kind bei sich aufzunehmen. Sofern die Bereitschaft vorhanden ist, werden die Kinder in die Familien, verbunden mit deren Kommunal- und Sozialsysteme, in oftmals sehr abgelegene Dörfer, reintegriert oder eben integriert . Dieser Prozess wird von unserer Mitarbeiterin Olive begleitet. Sie besucht in regelmäßigen Abständen, die in der Regel sehr armen Familien und spricht sowohl mit ihnen, wie auch mit den Schützlingen über ihre Bedarfe und Nöte. Sie aktiviert die in den Kommunen bereitgestellten Mittel für benachteiligte Familien. Davon werden die notwendigen Schulutensilien und –uniformen angeschafft und entsprechende Hilfen koordiniert. Regelmäßige telefonische Kontakte zu den kommunalen Autoritäten (Ortsvorstände und Bürgermeister) und Schulleitern ergänzen den Unterstützungsprozess. Sie berichtet, dass durch Armut, Krankheiten und alleinerziehenden Müttern das Armutsrisiko extrem ansteigt und damit die häufigsten Gründe sind, die einer erfolgreichen Reintegration im Wege stehen. Aufgrunddessen kehren manche Kinder Tage später wieder in die Provinzhauptstadt Gisenyi zurück in der Erwartung, dort leichter überleben zu können. Was passiert aber mit den Jugendlichen, die aufgrund ihres Alters der Regelschule schon entwachsen sind? Häufig auf keine oder eine nicht ausreichende Schulbildung zurückgreifen können, jedoch auf der anderen Seite über kreative Fertigkeiten und handwerkliche Fähigkeiten verfügen? Es wäre schade, dieses enorme Potential der vielen jungen Menschen (Ruanda ist eine junge Gesellschaft), aufgrund ihrer Armut an die Rekruten und Kriegstreiber im benachbarten Kongo oder im besseren Fall, an ein Leben auf der Straße, ohne Zukunftsperspektiven, zu verlieren. Für diese Jugendlichen haben sich unsere Mitarbeiterinnen auf den Weg gemacht, um kleine Handwerksbetriebe ausfindig zu machen, die bereit wären einen Lehrling in seiner Werkstatt aufzunehmen, um ihn auszubilden, bzw. anzulernen. In Ruanda ist es allgemein üblich den Lehrmeister zu bezahlen, da dieser zunächst Zeit investiert, bevor der Lehrling in der Lage ist, zu den betrieblichen Einnahmen beitragen zu können. Um jedoch überhaupt erst starten zu können benötigt der Handwerksbetrieb (in der Regel Ein-Mann-Betriebe) weiteres Werkzeug, um seinen Lehrling sinnvoll zu beschäftigen. Häufig besitzt der Schreiner lediglich einen Hobel oder der Automechaniker nur ein paar wenige Schraubenschlüssel, die er dann noch an andere Handwerker gegen Gebühr verleiht.

Zur Integration der Jugendlichen werden finanzielle Mittel zwischen 250 € und 450 € im Jahr, je nach Handwerkssparte, pro Jugendlichen für

  • Lehrgelder für die Handwerksbetriebe zur Aufnahme der Jugendlichen,
  • Die Anschaffung von notwendigen Werkzeugen und Arbeitskleidung, so dass ein Ausbildungsverhältnis zustande kommen kann und
  • Krankenversicherung, Taschengeld und Essensgeld
benötigt. Um die Nachhaltigkeit zur Entwicklung eigener Zukunftsperspektiven für die Jugendlichen in den Ausbildungsbetrieben anzustreben, soll mit dem Handwerksbetrieb vertraglich vereinbart werden, dass der Jugendliche nach der einjährigen Berufsausbildung in dem Betrieb eingestellt wird oder selbst eine eingene Werkstatt aufbauen kann.
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